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Die unvollständige Anleitung Yorùbá - Lukumí


Wer sich ein wenig mit Santeria beschäftigt, wird schnell mit einer Fülle von Wörtern aus der Sprache der Yorùbá konfrontiert. Die Yorùbá-Sprache ist eine Tonhöhensprache, d. h., dass ein Wort eine völlig andere Bedeutung bekommt je nachdem, wie die Vokale gesprochen werden - tief, normal oder hoch. Yorùbá wurde früher nur mündlich überliefert und nicht niedergeschrieben. Hier beginnt die Sache schwierig zu werden. Wenn wir in einer uns vertrauten Fremdsprache ein Wort falsch aussprechen, wird unser Gegenüber den Sinn trotzdem verstehen, nicht so in Yorùbá. Eine falsch gesetzte Tonhöhe gibt dem Wort - und damit dem ganzen Satz - eine völlig andere Bedeutung und im Kontext einen falschen oder gar keinen Sinn mehr.

Um in unserer Zeit Yorùbá-Wörter in ihrer korrekten Bedeutung mit der jeweils "richtigen" Tonhöhe schriftlich darstellen zu können, benutzt man spezielle Sonderzeichen. Die Erklärungen dazu möchte ich gerne jemandem überlassen, der sich schon viele Jahre lang mit der Yorùbá-Sprache beschäftigt und ihre Eigenheiten sehr gut erklären kann:

Moussa Kone, ein junger Künstler aus Wien und Mitglied der Susanne Wenger Foundation, dessen faszinierende Zeichnungen auch von der Yorùbá-Kultur inspiriert werden. Der folgende (aus dem Englischen übersetzte) Artikel stammt von seiner sehr schön gestalteten Seite www.orishaimage.com. Moussa Kone hat auch die Erlaubnis erteilt, den folgenden Artikel hier zu veröffentlichen, herzlichen Dank dafür!

Um zu verdeutlichen, wie sich die Unterschiede bzw. Ähnlichkeiten der Aussprache anhören, hat der Autor ein sehr interessantes Video erstellt. Hier werden verschiedene Begriffe jeweils zuerst von einer Sprecherin aus Havanna in Lukumí, danach der gleiche Begriff von einem Sprecher aus Nigeria in Yorùbá gesprochen. Das Original und dessen Transkription sowie viele zusätzliche Informationen sind hier zu finden: http://www.orishaimage.com/blog/lukumiyorubavideo. Die Seite erhebt nicht den Anspruch, eine linguistische Studie zu sein und es können auch Fehler darin enthalten sein.

Einleitung

Wie viele "Aleyos" (= nicht Eingeweihte) kam ich das erste Mal mit der Anbetung der Orisha in Kontakt, als ich Kuba bereiste. Ich ging dorthin, um populäres lateinamerikanisches Schlagzeug zu lernen und nahm schließlich Unterricht in folkloristischer batá Trommel. Einige Jahre später lernte ich von meinem Padrino Lieder und Gebete der Lukumí-Leute, wie die Nachkommen von Yorùbá sich dort nennen. Ich wollte immer ihre genaue Bedeutung wissen und erkannte, dass die Interpretation sehr unterschiedlich ausfällt. Da ich als Student für afrikanische Sprachstudien eingeschrieben war, dachte ich, dass die Übersetzung des Yorùbá nicht schwierig sein sollte. Ich fing an, privaten Yorùbá-Unterricht bei einer nigerianischen Lehrerin zu nehmen, und kam ins "Wiederübersetzungsproblem". Von meiner persönlichen Erfahrung möchte ich etwas davon in diesem Artikel teilen.

Der Begriff "Yorùbá" selbst hat seine Wurzeln im Hausa-Volk in den nördlichen Teilen Nigerias und ihrer Sprache. Sie nennen ihre Nachbarn im Süden heute noch "Bàyarabé". Dieser Name wurde von den Kolonisten übernommen und im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus "Yorùbá". Die Yorùbá-Leute hätten sich in der Vergangenheit als eine Untergruppe und Dialekt-Gruppe verstanden, die mit verschiedenen Königreichen verbunden war, jedoch nicht als eine eigene "Nation". Auch in Kuba bestanden verschiedene "cabildos de nación", mit Namen wie Oyo, Egguado, Ibada, Iyechá, Ketu, Ife usw. Das zeigt, dass Yorùbá-Sklaven ihre lokale Identität sogar in der Diaspora der Sklaverei behielten. Wie würden sich die Yorùbá in ihrer eigenen Sprache nennen? "ọmọ Odùduwà"- Kinder von Oduduwa. Heutzutage ist der Begriff "Yorùbá" natürlich weit verbreitet und viele Lukumí in Kuba verwenden ihn selbst, um ihre Kultur zu beschreiben.

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Der Sklavenhandel fasste afrikanische Menschen einfach in verschiedene Gruppen zusammen. Ähnliche ethnische oder lokale Beschreibungen wurden für Leute desselben Ursprungs verwendet, so wurden am Hafen in Havanna Ewe/Fon-sprechende Sklaven aus dem Gebiet der Stadt Alada in der heutigen Republik Benin als "Arara" oder in Haiti als "Rada" eingetragen. Der Begriff "Lukumí" stammt von einem bestimmten Gebiet im Yorùbá-Land, das "Ulkami, Ulcumi, Ulkuma, Lucamee" genannt wurde und das noch auf historischen Karten aus den Kolonialzeiten in West-Afrika gefunden werden kann. In Kuba wurde daraus der Name für Yorùbá-sprechende Leute, um sich auf ihre eigene "Nation" zu beziehen.

Für diesen Artikel unterscheide ich zwischen Yorùbá, der Sprache in Nigeria, und Lukumí, wo die Überreste dieser Sprache von den spanisch sprechenden Leuten in Kuba verwendet werden, um Gebete und Lieder ihrer Vorfahren zu rezitieren. Die Yorùbá-Sprache hatte bis 1850 keine schriftliche Form, als Samuel A. Crowther, ein befreiter Yorùbá-Sklave, die Bibel in Yorùbá übersetzte. Er wurde von christlichen Missionaren in Sierra Leone, wo viele erbeutete Sklavenschiffe von den Briten ausgeladen wurden, aufgezogen und unterrichtet und entwickelte mit Hilfe des englischen Alphabets den ersten Standard eines geschriebenen Yorùbá, das auf Oyo und Dialekte von Ibadan gestützt ist.

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Wir müssen bedenken, dass unsere geschriebene Sprache eine mehr oder weniger hoch entwickelte Methode ist, all die verschiedenen Töne, die wir in unserem Mund formen, in ein sichtbares System zu bringen, wobei wir immer örtlichen fonetischen und grammatikalischen Strukturen folgen. Ein einfaches und schon verwirrendes Beispiel wäre der Ausruf "Wow!", den wir als Ausdruck des Erstaunens verwenden. Spanische Leute würden diesen Klang "Uaoh!" schreiben, auf Deutsch geschrieben wäre es "Wau!" - und ohne in die Phonetik einzudringen, würde ich sagen, dass Sie es leicht verstehen könnten, wo auch immer Sie es hören. Wenn Sie aber nicht Spanisch lesen können, würde "Uaoh!" von einem englischen Leser eher als einzelne Buchstaben des Alphabets ausgesprochen - "u-oh", wofür ein spanischer Sprecher wiederum "yu-e-o" oder "llu-e-o" schreiben würde. Ich werde versuchen, genau das in diesem Artikel für Yorùbá und Lukumí zu entschlüsseln.

Die Yorùbá, die in die Sklaverei verkauft wurden, hatten kaum eine westliche Ausbildung und konnten meist weder lesen noch das römische Alphabet schreiben. Ihre Nachkommen in der Diaspora fingen später an niederzuschreiben, was sie von ihren Großeltern hörten und folgten dabei den lokalen Sprachregeln. Zwischen 1910 und 1920 kam der letzte Lukumí afrikanischen Ursprungs nach Kuba und die Yorùbá-Muttersprachler starben dort allmählich aus. Yorùbá wurde von den Lukumí mit spanischer Grammatik geschrieben. Das Problem besteht darin, dass es dieser europäischen Sprache an jenen Klängen und Tönen mangelt, die im gesprochenen Yorùbá existieren. Während die neue afrikanische Version des geschriebenen Yorùbá entwickelt und später verbessert wurde, um mehr oder weniger genau das gesprochene Wort wiederzugeben, war die Lukumí-Version auf Kuba nie adäquat. Dieser Artikel soll nicht sagen, wer Recht oder Unrecht hat, er könnte aber dem interessierten Leser helfen, weil viele Bücher über die Orisha nur auf spanisch verfügbar sind und auf den Traditionen der Lukumí von Kuba basieren. Heute haben wir Zugang zu einer unglaublichen Fülle von Schriftstücken und eine richtige standardisierte Rechtschreibung wäre sehr hilfreich, denke ich. Die Olorisha auf Kuba singen häufig die richtigen Melodien der Yorùbá, weil sie diese vom Hören kennen und nicht durch Lesen erfahren haben, aber wenn es um das Schreiben geht, ist das anders. Yorùbá-Dichtung, wie das Ifá-Singen, spielt sehr mit Wörtern und Tönen und so denke ich, dass es wichtig wäre, zumindest zu verstehen, woher das alles kommt, wenn man tiefere Einblicke in die Kultur der Orisha bekommen möchte.

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Es gibt viele Lukumí Wörterbücher in Kuba wie das "Diccionario Práctico Lukumí-Español". Ich bekam eine sehr schlechte Kopie davon vor einigen Jahren in einem kubanischen Kräuterladen, die ohne den Namen des Autors gedruckt wurde, einige Seiten sind kaum lesbar. Sein Untertitel "El Yoruba que se habla en Cuba" (Das Yoruba, wie es in Kuba gesprochen wird) brachte mich auf die Idee, es mit dem Buch von Lydia Cabrera "Anagó" zu vergleichen, das denselben Untertitel hat. So fand ich heraus, dass es eine illegale Kopie ist. Heute kann man es sogar auf Facebook finden, aber betitelt als "Yorubá-Español" Wörterbuch. Es erzählt viel über die Geschichte der Sklaverei, und ich schätze die Anstrengung, die Cabrera in der Vergangenheit machte, die Sprache zu bewahren, obwohl es eher als ein "Buch der Dichtung" und nicht wirklich als "Wörterbuch" betrachtet werden kann, wie die Anmerkungen von Roger Bastide sagen. Ein nettes Beispiel wäre der Lukumí- Begriff "enikeñi", den ich in diesem Buch übersetzt als "Nachbarn" fand - was falsch ist, weil "ẹnikẹ́ni" in Yorùbá wörtlich "jeder, wer auch immer" bedeutet.
Aber ich kann mir jemanden vorstellen, der um 1900 zusammen mit seinem Yorùbá-Großvater in Havanna sitzt und fragt "Was bedeutet enikeñi?" und der Großvater schwenkt seine Hand im Kreis herum und antwortet: "Enikeñi sind alle Leute ringsherum". So schrieb der junge Student "Nachbarn" in sein Wörterbuch als seine Vorstellung von "jedem" und erzählte es einige Jahre später Lydia Cabrera. Nicht völlig falsch, aber es könnte genauer sein.

Lassen Sie mich mit Ihnen teilen, worauf ich in den letzten Jahren gestoßen bin, als ich Yorùbá studiert habe, in die Lukumí-Tradition eingeweiht wurde, sehr viel gelesen habe und nach Kuba und Nigeria gereist bin. Bedenken Sie bitte, ich bin kein Linguist, gerade einmal Student des Yorùbá und Spanisch ist nicht meine Muttersprache, obwohl ich mich fließend unterhalten kann. Dieser Artikel illustriert meine persönliche Reise durch das "Wiederübersetzungsproblem" und könnte als eine Quelle der Inspiration dienen. Es ist nicht beabsichtigt, einen Standard festzulegen und es könnten Fehler enthalten sein. Deshalb nenne ich es einen "Unvollständigen Führer" - er möge von allen Lesern vollendet werden, die den Pfaden der Orisha folgen.

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Die unvollständige Anleitung Yorùbá - Lukumí

Yor. 7 Vokale (a, e, ẹ, i, o, ọ, u) = Luk. 5 Vokale (a, e, i, o, u)

Yorùbá hat sieben Vokale, weil "o"/"ọ" und "e"/"ẹ" unterschiedlich behandelt werden und dem "gleichen" Wort eine andere Bedeutung geben. In Spanischen gibt es diese Töne auch, wie das offene "ọ" in "cosa" und das geschlossene "o" in "magro" oder das "ẹ" in "tejer" und "e" in "mesa", aber geschrieben wird es gleich. Für englische Muttersprachler wäre es ein "ọ" wie in "jaw" oder "o" wie in "dome" oder "ẹ" wie "bed" und "e" wie in "day". Wenn Sie es nicht richtig aussprechen, klingt es zwar im Englischen oder Spanischen seltsam, aber das wird die Bedeutung des Wortes nicht völlig ändern wie in Yorùbá. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele: "òfò" (Verlust) vs. "ọfọ̀" (Zauber) oder "ẹ̀kọ" (Lagos-Stadt) vs. "ẹ̀kọ́" (Studium). Dem nach spanischen Sprachregeln geschriebenen Lukumí fehlen diese wichtigen zwei zusätzlichen Vokale.

Yor. ọwọ (Hand) oder “owó” (Geld) = Luk. owó (Hand oder Geld)
Yor. olófin (Gesetzgeber) oder ọlọ́fin (Königstitel = Luk. Olofi (Name für das höchste Wesen)
Yor. ilẹ̀ (Erde, Boden) oder ilé (Haus) = Luk. ilé (Erde oder Haus)

Manchmal wird der Lukumí-Begriff "Inle", wie der Kurzname des Orisha Inle (Erinle), mit Betonung auf der ersten Silbe und mit einem geöffneten "é" ausgesprochen, ein anderer Ersatz für das Yorùbá Wort “ilẹ̀", um in Lukumí zwischen "Inle" für "Erde" und "ilé" für "Haus" zu unterscheiden, sonst kann man beim Lesen nicht differenzieren, was gemeint ist - man müsste es hören.


Yor. 3 Töne = Luk. 2 Töne

Yorùbá verwendet Akzente, um zwischen drei verschiedenen Tönen zu unterscheiden, sie können bezeichnet werden als "do, re, mi", analog dem System der musikalischen Ausbildung, bekannt als "Solfeggio", um die richtige Tonhöhe eines Klangs zu lehren ( "do, re mi, fa, so, la, si, do" wäre eine Oktave). In Yorùbá bezieht sich "do, re, mi" aber nicht auf feste Töne, sondern beschreibt abstrakter drei mögliche Tonhöhen. Das Wort "Yorùbá" selbst zum Beispiel würde als "re-do-mi", mittel, niedrig und hoher Ton angezeigt werden, "Òrìṣà" wäre "do-do-do", drei tiefe Töne. Spanisch hat nur einen Akzent, um einen höheren Ton anzuzeigen und einen Schwerpunkt auf einem Vokal, wie in "folklórico". Wenn kein Akzent vorhanden ist, ist die Betonung immer auf dem vorletzten Vokal. Jedes Ändern der Tonhöhe eines Vokals in Yorùbá führt höchstwahrscheinlich zu einer anderen Bedeutung, weil dem geschriebenen Lukumí die richtigen Ton-Ebenen der Sprache fehlen. Beispiele wären "Ògún" (Name des Orisha), "òógùn" (Medizin), "ogun" (Krieg), "ògùn" (Name eines Flusses) und "ogún" (zwanzig) oder "ilá" (Okra) , ilà (Gesichts-Narbe) und ìlà (Linie, Achse).

Es gibt auch eine allgemeine Tendenz in Lukumí, Yorùbá-Wörter mit einem Akzent am Ende des Wortes als eine Art allgemeines Zeichen für jedes Yorùbá-Wort zu markieren. Nach meiner Erfahrung wird ein Wort oft richtig ausgesprochen, aber geschrieben wird Lukumí oft nicht mit der gesprochenen Sprache korrelieren. Wie der Yorùbá-Ausdruck "Òsùn" (Ifá-Mitglied, bekannt als einer der "Orichas guerreros" in Kuba). Obwohl "Osún" oder "Ozún" in Lukumí geschrieben, wird das Wort immer mit Betonung auf der ersten Silbe ausgesprochen. Es scheint, dass die Akzente oft nur dazu verwendet werden, ein Wort afrikanischer Herkunft zu kennzeichnen.

Yor. Èṣù = Luk. Echú (Name des Orisha)
Yor. Ọya = Luk. Oyá (Name des Orisha)
Yor. bàtà (Schuhe), bàtá (Name einer Trommel) = Luk. batá (Schuhe, Name einer Trommel)
Yor. Ọbàtálá = Luk. Obatalá (Name des Orisha)
Yor. ìlù (Trommel), ilú (Stadt) = Luk. ilú (Trommel oder Stadt)
Yor. ọ̀tá (Feind), ọta (Stein) = Luk. otá (Feind oder Stein)
Yor. ara (Körper), ará (Menschen), àrá (Donner) = Luk. ará (Körper, Menschen, Donner)

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Yor. J = Luk. Y/LL

Was in Yorùbá als leise gesprochenes "j" geschrieben würde, wie in Englisch "juice", wird in Lukumí als "y" oder "ll" geschrieben und ausgesprochen. Gemäß den spanischen Grammatik-Regeln wird ein Doppel-"L" ähnlich wie ein "y" ausgesprochen. Obwohl man zugeben muss, dass im kubanischen Spanisch ein "y" einen leicht weichen Klang hat - wie das Yoruba "j".

Yor. ìjà = Luk. iya, illa (Kampf)
Yor. ajá = Luk. ayá, allá (Hund)
Yor. ẹja = Luk. eyá, ellá (Fisch)
Yor. méjì = Luk. meyi, melli (zwei)
Yor. ojùgbọ̀nà (lit. derjenige, der die Straße reinigt) = oyubona, yugbona, yumbona, yibona, yimbona (Titel für eine an bestimmten Ritualen beteiligte Person)


Yor. Y = Luk. LL

Dies ist nur eine andere Orthographie. Ein Doppel-"L" in Spanisch wird tatsächlich (mehr oder weniger) gleich wie "y" auf Englisch oder Yoruba ausgesprochen, wie zuvor erwähnt. Manchmal findet man diesen "Ersatz" in Lukumí. Andere Yorùbá-Wörter mit "y", wie Ayé (Welt), bleiben die gleichen, was das "y" in Lukumí betrifft. Die Doppel-"L" könnten die Menschen zu sehr verwirren, die nicht Spanisch lesen.

Yor. ẹyẹlé = Luk. ellelé, eyelé (Taube)
Yor. iyá = Luk. illá, iyá (Mutter)


Yor. Ṣ = Luk. CH

Der Yorùbá "ṣ"-Ton ist, je nach Dialekt, mehr oder weniger wie das englische "sh" in "shoulder" und existiert nicht auf Spanisch. Stattdessen wurde daraus ein starker und scharf klingender "ch"-Klang (ausgesprochen fast immer wie im Englischen "etching"). Wande Abimbola sagte in seinem Buch "Ifá will mend the broken world" ("Ifá wird die kaputte Welt reparieren"), es gibt im Yorùbá Dialekte, die das "ṣ" in dieser starken Weise aussprechen und vielleicht ist dies auch auf Grund des Einflusses von Sklaven aus der Kétu- oder Ònkò-Region. Trotzdem ist offensichtlich, dass es auch eine Menge mit dem spanischen Einfluss zu tun hat.

Yor. àṣẹ = Luk. aché (universelle Energie)
Yor. Òrìṣà = Luk. Oricha (spirituelle Entität)
Yor. Ọ̀ṣun = Luk. Ochún (Name des Orisha)
Yor. aṣọ = Luk. achó (Kleidungsstück)
Yor. ṣaworo (Glöckchen) = Luk. chaworó (Glocken auf bàtá-Trommeln)

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Yor. GB = Luk. GU/GÜ/W/B

Wahrscheinlich eine der häufigsten Veränderungen. Der "gb"-Klang, wo ein "g" und "b" gleichzeitig ausgesprochen werden, existiert nicht in europäischen Sprachen und ist nicht leicht zu erlernen. Das spanische geschriebene "gu" gefolgt von einem Vokal ist im Englischen eine Art von "gw"-Ton, wie in "egg white".

Yor. Ẹlẹ́gbára = Luk. Eleguá, Elegguá, Elegwuá, Elegwa, Elewa (Name des Orisha)
Yor. àgbàdo = Luk. aguadó, agguadó, aguardó, abardó, abadú (Mais)
Yor. gbogbo = Luk. bogbo (alle)
Yor. ìgbín = Luk. igüuín, iguín, iwín (Schnecke)

Yor. W = Luk. GU

Im kubanischen Spanisch-Dialekt wird "gu" gefolgt von einem Vokal fast wie ein englisches "w" ausgesprochen - siehe auch das Kapitel oberhalb. Das Lukumí "gu" bezieht sich oft auf das Yorùbá "gb", aber manchmal könnte es auch vom Yorùbá "w" kommen.

Yor. ìrawọ = Luk. iraguo (Stern)
Yor. wá  = Luk. gua (kommen)
Yor. ewé = Luk. egué (Blätter, Kräuter)
Yor. àwòrò, ìwòrò = Luk. iguoro (Orisha Priester)
Yor. ìyàwó (frisch vermählte Ehefrau) = Luk. illaguo, iyaguo (frisch eingeweihter Priester)

Yorùbá P = Lukumí KU/P

Das im Yorùbá geschriebene "p" steht eigentlich für einen "kp"-Ton - "k" und "p" zugleich ausgesprochen. Viele afrikanische Sprachen schreiben diesen Ton als "kp", aber im Yorùbá gibt es kein "p" alleine, ein "p" steht immer für einen "kp"-Ton. Dieser existiert in europäischen Sprachen nicht und ist das Schwierigste für einen Yorùbá-Anfänger. In Kuba wird es durch ein "ku" (ausgesprochen wie Englisch "kw") oder "p" alleine ersetzt.

Yor. àjàpá = Luk. ayakuá (Schildkröte)
Yor. heépà = Luk. hekua (Gruß für einen Orisha)
Yor. mo dúpẹ́ = Luk. modukue, moducue, modupue (Ich danke)
Yor. pẹ́pẹ́yẹ = Luk. kuekueyé, kuekuellé, guegueyé, pepellé (Ente)
Yor. ilẹ̀ mo pe o (Erde, ich rufe dich an) = Luk. Inlé mokueo (Begriff aus dem Obi-Orakel)

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Yor. Ọ = Luk. A

Der "ọ"-Ton des Yorùbá wird oft so offen ausgesprochen, dass es fast wie ein "a" klingt (wie das zweite "a" in "Amerika"). Probieren Sie es aus, machen Sie ein geschlossenes "o", gefolgt von einem offenen "ọ"-Ton, gefolgt von einem "a". Oft ist es schwer zu sagen, ob es immer noch ein sehr geöffnetes "ọ" oder schon ein "a" ist, der Übergang ist fließend. Deshalb wäre eine andere Schreibweise für "Ṣàngó" in Yorùbá "Ṣọ̀ngó", wie sie häufig in älteren Büchern gefunden wird. Heutzutage wird auch der Yorùbá-Begriff "má" (tue nicht) oft geschrieben als "mọ́", je nach Dialekt. Eines Tages fragte ich meine Yorùbá-Lehrerin, was "ọma" bedeutet, ein Wort, das ich von meinem Padrino in einem Gebet gelernt hatte ("ire oma"). Sie verstand nur ein Wort, das ich schon kannte, "Kinder", was "ọmọ" geschrieben würde. Für sie gab es keinen Unterschied zwischen dem, was ich versuchte, “ọmọ” oder “ọma” auszusprechen. So ist es kein Wunder, dass wir in Lukumí Worte mit einem "a" anstelle eines offenen "ọ" geschrieben finden.

Yor. ọmọ = Luk. oma (Kinder)
Yor. Yemọja (yeye ọmọ ẹja, Mutter von Kindern der Fische) = Luk. Yemayá
Yor. ọlọ́fin, aláfin = Luk. alafin (Königstitel)

Yorùbá R = Lukumí L/N

Das "r" im Yorùbá ist nicht so gerollt und hart wie die spanische Version, tatsächlich erinnert mich das Yorùbá-"r" oft an amerikanisches Englisch, es ist sehr weich und nasalisiert, wie in "Arnold Schwarzenegger" (sorry, ich bin Österreicher). Manchmal wurde in Lukumí das "r" durch ein "l" oder "n" ersetzt. Sie können es sehr leicht selbst versuchen, formen Sie ein weiches "r" und danach ein "l" oder "n" - die Zunge bewegt sich dabei ein wenig nach vorne. Ich bin darauf bei ein paar Ausdrücken gestoßen, wie in:

Yor. ọkùnrin = Luk. okuní (Mann)
Yor. obìnrin = Luk. obiní (Frau)
Yor. Èṣù Alágbára (Eshu der Mächtige) = Luk. Echú Alaguana, Alawana (ehrenvoller Name)
Yor. Ògún Onírè (Ogun, der die Stadt Ire besitzt) = Luk. Oggún Onilé (ehrenvoller Name)
Yor. aberíkùrá (jemand mit uneingeweihtem Kopf) = Luk. aberikulá (ungeweihten Batá-Set)
Yor. afínná má rù (Blasbalg werde nicht schwach) = Luk. afina malu (Ein Rezo for Ogún, in Kuba oft interpretiert als "stark wie ein Stier", von Yor. “màlúù”, was "Rinder" bedeutet)


Yor. Nasalisierte Vokale = Luk. Ñ/N

Obwohl das kubanisch gesprochene Spanisch viele Nasallaute hat, hat das die Schriftsprache nicht. Im Yorùbá wird jeder Vokal nasalisiert, dem ein "n" folgt. Das bedeutet, dass das "n" nicht ausgesprochen wird. So z.B. klingt "an" im Yorùbá wie das Ende des französischen "façon". Ein nasaler Yorùbá-Ton wurde oft durch das spanische "ñ" ersetzt und manchmal einfach "n".

Yor. oyin = Luk. oñí (Honig)
Yor. àrun = Luk. ano (Krankheit)
Yor. ẹyin = Luk. eñí (Ei)
Yor. eyín = Luk. eñe (Zahn)
Yor. Àyàn = Luk. Añá (Orisha der Trommel)
Yor. ará ọ̀run = Luk. ará oñú, ará onú (Leute des Himmels = Geister)

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Yor. K = Luk. C/QU

Vor allem in älteren kubanischen Büchern über die Orisha findet man das. Heute ist es nicht mehr so weit verbreitet und die meisten dieser Lukumí-Worte sind bereits mit einem "k" wie in Yorùbá geschrieben. In Spanisch wird "c" vor den Vokalen "a", "o" und "u" wie ein englisches "k" ausgesprochen (oder wie ein englisches "s" vor "e" und "i", was sehr selten ist).

Yor. Olókun = Luc. Olocun (Name des Orisha)
Yor. Òrìṣà Oko = Oricha Oco (Name des Orisha)
Yor. àkóbá (ungerechte Behandlung) = Luk. acobba, acoba (plötzliches Pech)
Yor. iṣẹ́gun = Luk. aceggun, achegun (Sieg)
Yor. má má ké ènìyàn (verletze oder schneide niemand) = Luk. mamaquenya, mamakenya, mamakeña (ein Begriff, der häufig in Gebeten verwendet wird)


Yor. Doppelvokale = Luk. ein Vokal

Yorùbá benutzt oft doppelte Vokale mit verschiedenen Tonhöhen, während die Lukumí nur einen Vokal zu verwenden, wie in dem Satz "Èṣù bí ì", was auch ein häufiger Name ist und "Eshu gebar sie/ihn/es" bedeutet. Tatsächlich ist aber das letzte tiefe und einzelne "ì" das Objekt des ganzen Satzes. Die Lukumí haben einen Eshu mit diesem Namen, geschrieben und ausgesprochen "Echubí" - für einen Yorùbá-Sprecher klingt das ohne den gleitenden Klang auf dem Vokal wie ein unvollständiger Satz.Auch in Yorùbá können auf diese Weise Worte verkürzt werden, meist wenn am Ende des Wortes zwei gleiche Vokale nur durch einen Konsonanten getrennt sind. Ẹlẹ́gbára wird so zu Ẹlẹgbàá oder "ìrukẹ̀rẹ̀" wird "ìrukẹ̀ẹ́". Yorùbá-Sprecher hören dies am gleitenden Klang auf den Vokalen, der in Lukumí nicht mehr existiert, in Lukumí ist es nur mehr "iruké" oder "Elegbá". Nebenbei bemerkt wird auf diese Weise auch "Òrìṣà" zu "Òòṣà" (Ocha) verkürzt.


Spanische Grammatik in Yorùbá Wörtern in Lukumí

Wenn man in Yorùbá den Plural ausdrücken möchte, fügt man das Wort "awọn" hinzu, wie "awọn obìnrin", was "einige Frauen" bedeutet, in dem Sinn, dass wir über mehr als eine Frau sprechen. Lukumí verwendet dagegen spanische Plural-Endungen, um den Plural von Yorùbá Wörtern zu kennzeichnen, wie "ikines" für die Palmkerne, die der Babalawo verwendet, "Orishas" um von mehr als einem Orisha zu sprechen, "acheses" für die Eingeweide von geopferten Tieren als Plural von "aché", "ebboses" für den Plural von "ẹbọ" (Opfer), "ifáses" für mehrere Ifá-Einweihungen oder "Otanes" für mehr als einen "ọta" (Stein).

Auch ein Priester des Orisha Ọ̀sanyìn z.B., der in Yorùbá "Ọlọsanyìn" genannt würde (wörtlich: "derjenige, der Ọ̀sanyìn besitzt"), wird in Lukumí "Osainista" genannt, indem eine spanische Endung angehängt wird. Dies ist sehr häufig, ebenso werden jene Babalawos, die das heilige Gefäß von "Olofi" besitzen (was in Yorùbá Odù ist), "Olofistas" genannt.

Einige Worte erfinden auch ganz neue Formen von Substantiven, wie der Yorùbá-Spanische Misch-Begriff "iyaworaje", was die Zeit des "ìyawò"-seins bedeutet (ìyawò steht in Yorùbá für "Frau") und verwendet wird, um die Zeit eines frisch Eingeweihten zu benennen.

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Verschiedene Änderungen von Vokalen und Konsonanten

Auch die Schreibweisen von Yorùbá-Konsonanten und -Vokalen können in Lukumí sehr kreativ ausfallen. Mit ein wenig Wissen über den kubanischen Spanisch-Dialekt kommt Lukumí aber näher an Yorùbá heran als es aussehen könnte, wenn es geschrieben wird. Spanisch bietet auch viele Möglichkeiten zu schreiben, was gleich ausgesprochen würde.

Yor. ológìní = Luk. olégüine (Katze)
Yor. ewúrẹ́ = Luk. auré, euré (Ziege)
Yor. ọ̀gẹ̀dẹ̀ = Luk. oguede (Wegerich)
Yor. Ọ̀sanyìn = Luk. Osaín, Ossain, Ozain (Gott der Pflanzen)

Konsonanten in Lukumí, wo es keine in Yoruba gibt, oft "l", "r", "n":

Yor. Olódùmarè = Luk. Olordumare
Yor. ìjà = Luk. inya, iyan, iña (Kampf, Krieg)
Yor. àdìmú (something to hold on to) = Luk. ardimú (unblutiges Speiseopfer)
Yor. Aganjú Ṣọlá = Luk. Algayú, Algallú, Argayú or Agayu Cholá

Vokale werden vertauscht, vor allem "u" für "o", "e" für "i" und umgekehrt:

Yor. ikin = Luk. ekín (Palmkern)
Yor. omi tútù = Luk. omi tuto (Süßwasser)
Yor. ẹja gbígbẹ̀ = Luk. ellá güi güi (getrockneter Fisch)
Yor. ore yèyé o = Luk. orí yeyé o (Gruß für Oshun)

Vowels können in Lukumí hinzugefügt werden:

Yor. pupa = Luk. pupua (rot)
Yor. n lọ = Luk. un lo (geht weg)

Vokale können am Anfang eines Wortes weggelassen werden:

Yor. ẹlẹ́rìí ìpín (Zeuge der Schöpfung) = Luk. lerí iküin, elerí kuin (Orunmila als Zeuge)
Yor. alágbẹ̀dẹ = Luk. laguedé (Schmied)

Yorùbá-Präpositionen können ein Teil des Lukumí-Worts selbst geworden sein, oft “ní” (in, auf), kurz "l":

Yor. iyàrá = Luk. niyará (Zimmer)
Yor. etí = Luk. leti (Ohr)
Yor. ojú = Luk. loyú (Auge)

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Yor. ein Konsonant = Luk. doppelter Konsonant

Diese von den Lukumí verwendeten Doppelkonsonanten stammen nicht von spanischen Grammatikregeln. Ich denke, dass sie eingeführt wurden, um ein Wort afrikanischer Abstammung zu kennzeichnen.

Yor. àdìmú (an etwas festhalten) = Luk. addimú (unblutiges Speisopfer)
Yor. pàtàkì (wichtig) = Luk. pattakí (eine Geschichte über die Orisha)
Yor. odù Ifá = Luk. oddun Ifá (Ifá Korpus)
Yor. ẹbọ = Luk. ebbó (vorgeschriebenes Opfer)
Yor. Ògún = Luk. Oggún (Name des Orisha)


Yor. B/W = Luk. GB

Der “gb”-Ton hat ein sehr "afrikanisches" Aussehen und wird in geschriebenen Lukumí Worten verwendet, obwohl er nicht von den Olorishas in Cuba betont wird und nie im original Yorùbá in diesen Worten vorkam. Das ist das Umgekehrte von ”Yor. GB = Luk. B”, das wir zuvor hatten, aber hier ist es eine Art künstliche “Reafrikanisierung".

Yor. mo júbà (ich huldige) = Luk. moyugba (Gebet)
Yor. abẹ̀bẹ̀ = Luk. agbebé (Oshun’s ritueller Fächer)
Yor. ìwòrò = Luk. igboro (Orisha Priester)

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Hispanisierung

Eine weitere wichtige Tatsache ist, dass wir hören, was wir gewohnt sind. Unser Gehirn verbindet Töne sofort mit Vorstellungen und Objekten in unserer eigenen Sprache. Viele Lukumí- und Yorùbá-Lieder enthalten den Begriff "awa". In Yorùbá bedeutet das oft "wir, uns" oder "wir sind gekommen". Geschrieben wird daraus in Lukumí "agua", gleich dem spanischen Begriff für Wasser. So steht der Refrain "awa ṣe'ṣ'ìmọ" in Yoruba für "wir tun es mit Weisheit". In Lukumí wird das in Liedern für Yemayá oft "agua sesima" geschrieben. Hier bezieht sich das Wasser auf die Identität der Gottheit und Kubaner, die dieses Lied singen, denken an Wasser, weil ihnen die eigentliche Yorùbá-Bedeutung nicht genau bekannt ist.

Ein weiteres gutes Beispiel ist die berühmte Zeile des Refrains des kubanischen Liedes "Ẹ l’ádé Ọ̀ṣun" (Yorùbá für "Du besitzt die Krone, Oshun"), immer einer der Höhepunkte in Zeremonien. Der Chor wird heute oft mit den Worten "o felicidad", Spanisch für "Glück" gesungen. Ursprünglich war diese Zeile in Yorùbá und könnte von "òfé yí sí dáà", "die kluge Person wendet sich an gute Dinge" gekommen sein (nach John Masons Buch "Orin Orisa", dem ich in der Zukunft einen anderen Blog-Eintrag widmen werde, obwohl ich mir bei dieser Übersetzung nicht ganz sicher bin). Das Conjunto Folklórico Nacional de Cuba sagt ihren Tänzern, nicht die spanische Version zu singen, sondern sie lernen, "o feri ki da" zu singen, um mehr nach dem "Original" zu klingen. In der Öffentlichkeit ist die spanische Version aber weit verbreitet.

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Yor. Wort = Luk. Wort mit anderer Bedeutung

Einige Wörter änderten ihre Bedeutung, in dem Sinn, dass kulturelle Yorùbá-Traditionen in die neue Kolonialgesellschaft und Umwelt adaptiert wurden. In Kuba bezieht sich der Begriff "igbodú", "igbodún" oder "nibodún" auf das "cuarto del santo", das Zimmer im Haushalt, wo die heiligen Gefäße der Orisha aufbewahrt werden. Die afrikanischen Sklaven konnten nicht mehr im Familienverband leben oder ihrer Familientradition folgen, es gab weder öffentliche Schreine noch Paläste, in denen wie üblich die Orisha geehrt werden. Stattdessen behielt jeder Eingeweihte seine Orisha, wenn möglich, im Inneren des Hauses - in einem eigenen "igbodú". In Nigeria ist "igbó Odù" (wörtl. Wald des Odù) der Name für die heilige Stätte außerhalb der Stadt, wo Ifá-Einweihungen stattfinden. Das verbindet die einzelnen kleinen Räume für die Orisha in den Diaspora-Haushalten mit der Idee eines offenen heiligen Raums in der Natur, der von der Gemeinde einer Stadt verwendet wird - ein kollektives Gedenken.

"Aleyo" in Lukumí meint "eine Person, die (noch) nicht in die Religion initiiert ist". In Yorùbá bedeutet "àlejò" aber einfach "Außenstehender, Besucher". Obwohl "aleyo" seine Wurzeln in einem Yorùbá-Wort hat, wurde es in der Diaspora nur noch mit der rituellen Welt verbunden, im Sinne von "nicht eingeweiht".

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Yor. Satz = Luk. Wort oder Vorstellung

Da die Lukumi nicht mehr Yorùbá sprechen, kennen sie nur ungefähr die Bedeutung von Sätzen und übersetzen ganze Sätze als einzelne Wörter oder Vorstellungen. "Mabinú" wird im Lukumí Wörterbuch als Adjektiv "wütend" übersetzt. In Yorùbá ist "má bínu!" aber ein Imperativ-Satz und bedeutet "ärgere dich nicht!".

Der Lukumí Ausdruck "kinkamaché", von Yorùbá "kí nkan má ṣe ..." bedeutet wörtlich "damit ... etwas (Schlechtes) nicht geschieht" oder "möge ... nichts stören" (wobei ... der Name einer bestimmten Person wäre) und wird bekannt als "Gebet für die Gesundheit" oder "Gesundheit" im Allgemeinen. Das ist nicht ganz falsch, aber es folgt keinen Sprachregeln. In Kuba sind interessante Bücher veröffentlicht worden, wie "Obbedi. Cantos a los Orishas: Traducción e Historia" von Lázaro Pedroso. Ich würde es eher eine Interpretation nennen, nicht Übersetzung, aber es gibt sehr interessante Einblicke und poetische Hinweise, woher die Lukumí-Worte ursprünglich kommen könnten.

Einer der prominentesten und am häufigsten falsch geschriebenen Sätze ist das Lukumí "Osobo", oft geschrieben "Osorb" oder sehr häufig "Osogbo". Laut "Fama’s Ede Awo Dictionary" kommt dieser aus dem Satz "ó sọ ìbò", was bedeutet, "es wirft ibo ab". Ìbò sind die kleinen Objekte, die von einem Wahrsager verwendet werden. Sie können zeigen, dass etwas Schlimmes passieren wird. "Ósọ’bò" wurde so in Kuba zum Antagonisten von "ire", Glück, während in Nigeria ein Babalawo eher den Begriff "ibi" für Unglück in der Wahrsagerei versteht. Dieses Lukumí Wort für Pech hat nichts mit der nigerianischen Stadt Òṣogbo zu tun! Das "gb" scheint nur ein weiteres Beispiel für die "gb-Afrikanisierung" in der Schreibweise des Lukumí Satzes "ó sọ’bò" zu sein.

Ein weiteres Beispiel ist das Lukumí "achegunotá", was eigentlich ein Yorùbá Satz ist. "A ṣẹ́gun ọ̀tá" bedeutet: "Wir sind Sieger über den Feind". Wenn man es es wie ein Substantiv verwenden will, wird das "a" durch ein "i" ersetzt. So wäre der Begriff "iṣẹ́gun ọ̀tá" richtig für einen Yorùbá-Sprecher, wenn man zum Beispiel um ein "ire iṣẹ́gun ọ̀tá" betet. Ein kleines Detail, aber einmal betet man für eine Gemeinschaft von Menschen, einschließlich sich selbst, einmal ist es allgemeiner.

Der Ausdruck "ibaé bayentonú" oder "ibaé layentonú" ist sehr wichtig in Kuba und wird häufig rezitiert, um die Vorfahren mit ihren Namen zu grüßen und wird oft als "Ruhe in Frieden" übersetzt. Es kommt aus dem Yorùbá Satz "ìbà rẹ, ìbà rẹ, ẹ̀nì tó nù", abgekürzt "ìbà’ẹ, ìbà’ẹ, ẹ̀nì tó nù". "Ìbà" bedeutet "Achtung, Ehrfurcht", "re" ist ein Pronomen im zweiten oder dritten Fall (vom richtigen Ton abhängig) und kann verkürzt werden zu "ẹ", sodass beides zusammen "Ehrfurcht vor dir/ihm/ihr" bedeutet. "Ẹ̀ni tó nù" bedeutet "diejenigen, die verschwunden sind". Für weitere Beispiele siehe auch Wande Abimbola: Ifá will mend our broken world (Ifá wird unsere zerbrochene Welt heilen), Aim Books, 2003.

Last but not least das berühmte "arikú babawa" aus den Lukumí-Gebeten, was ein gutes Beispiel dafür ist, dass die Rückübersetzung von Lukumí in Yoruba sehr schwierig ist. Beginnen wir mit "Arikú". Ein typisches "ire" (Glück) ist für die Yorùbá "àìkú" - Unsterblichkeit (wörtlich: "Es gibt keinen Tod"). Aber woher kommt das "r" in "arikú"? Für mich scheint es in diesem Fall merkwürdig, das eine "r" einzufügen. Die meisten Menschen übersetzen es also mit "Unsterblichkeit" und vergessen das "r". Aber wie beim vorherigen "achegunota", wo das "a" von "wir" spricht, könnten wir auch hier einen Satz daraus machen. "A à rí ikú" könnte eine Dialekt-Variante von "a’ò rí ikú" sein, was bedeuten würde "wir sehen/finden nicht den Tod". Hier würde der gleitende Ton des ersten Vokals "aà" den Unterschied machen, ein Ton, der in Lukumí nicht mehr existiert.
Höchstwahrscheinlich - so glaube ich - ist "babawa" die Kurzform von "bàbá ìwà", was wörtlich "Vater des Charakters" bedeutet. "Ìwà" ist etwas, dem man oft in Orisha-Gebeten begegnet. Viele Sprichwörter empfehlen, einen guten und stabilen Charakter zu bewahren. "Baba" kann auch in einem allgemeineren Sinn nicht nur als "Vater" übersetzt werden, sondern eher als Führungs-Älteren-Prinzip. Oft kann man Interpretationen des Lukumí "babawa" als Yorùbá "bàbá wa" lesen, was "unser Vater/unsere Väter" bedeutet. Obwohl die Yoruba-Kultur patrilinear ist, denke ich, wenn die Yorùbá über ihre Vorfahren sprechen würden, sie diese nicht nur als "Väter" bezeichnen würden, wenngleich andererseits das spanische Volk sie auch ihre "Vorfahren" nennen würde, was die Lukumí beeinflusst haben könnte. Lydia Cabrera interpretiert "babawa/babagua" wörtlich als "Padre Nuestro" - "Unser Vater", wie in diesem sehr zentralen christlichen Standard-Gebet, das wohl jeder Lukumí-Slave in Kuba zu lernen hatte. Siehe auch unterhalb die "Timbelese"-Abhandlung als anderes Beispiel für christliche Vorstellungen in Lukumí-Gebeten. Ein kleiner Akzent, entweder ist das letzte "wa" ein "wà" (tiefer Ton) oder ein "wa" (mittlerer Ton), würde den wirklichen Unterschied in seiner Bedeutung ausmachen, ob man über den "Charakter" oder "Vater/Väter" spricht. Ich persönlich glaube, dass dieses Lukumí-"ire" (Glück) vom Bewahren eines guten Charakters spricht und nicht über die Unsterblichkeit unserer Vorfahren oder den Herrn im Himmel spricht, aber ich könnte mich auch irren.

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Einige weitere Beispiele

Ich könnte diese Diskussion mit ein paar weiteren Varianten von "arikú babawa" weiterführen, aber Sie sehen schon, es ist ziemlich kompliziert. Eine kleine Änderung im Klang macht schon einen großen Unterschied. Yorùbá Worte werden oft verkürzt. Wenn ein Wort mit einem Vokal endet und das nächste wieder mit einem Vokal beginnt, wird einer von ihnen beim Reden übersprungen - aber das abstrakte Tonmuster bleibt und wird zum anderen Vokal übertragen.

Wenn Sie Lukumí sind, bleiben Sie bei dem, was Sie lernen, und wie wir wissen, werden die Orisha verstehen! Viele Lukumí-Ausdrücke können kaum noch interpretiert werden, aber die Frage ist auch, wie man mit den verschiedenen Möglichkeiten umgehen soll. In meiner Theorie wurden, wie Sie oben lesen, einige Vokale und Konsonanten verändert, aber es gibt auch andere Theorien. Ich gebe Ihnen zwei Beispiele:

Der häufige und verbreitete Yorùbá Lobpreis-Name "Èṣù Alágbára" (wörtlich: Eshu der mächtige) wurde meiner Meinung nach zu "Echú Alaguana", in Kuba auch "Alawana" geschrieben. John Mason verwende oft die Lukumí-Aussprache als 100% Yorùbá in seiner Neuübersetzung der kubanischen Lieder in seinem Buch "Orin Òrìṣà". "Alawana" wird so zum Yorùbá "Aláwá ọ̀nà", kurz "Aláwá’nà" (wörtlich: der Teiler der Straße) oder Alàgba’nà (lit. der Ältere der Straße). Er ist sich der gb/w Änderungen bewusst, aber nicht der r/n-Änderungen, die ich in diesem Fall auch in Betracht ziehen würde. Alles in allem hat ein Lukumí-Wort drei mögliche Interpretationen, die alle durchaus Sinn machen und sich alle auf Qualitäten von Eshu beziehen.

Das gleiche gilt für Masons Yorùbá-Interpretation "Èṣù Alayíkí" vom Lukumí "Echú Alayiki", was er als "Eshu, Inhaber des 'roll salute'" übersetzt. Vielleicht ist dies ein Lobpreis-Name für Eshu in einigen Yorùbá-Regionen oder -Dialekten, keiner meiner Informanten konnte mir sagen, was ein 'roll salute' wäre, aber ich bin sicher, dass Mason eine Menge Forschung betrieben hat. Ein häufiger nigerianischer Lobpreis-Name für Eshu ist heute "Alájíkí" (wörtlich derjenige, der nach dem Erwachen begrüßt wird). Wird das "j" in ein "y" geändert, könnte dies die Wurzel des Wortes sein - wir wissen es einfach nicht genau und es bleibt spekulativ. Ein weiterer Yorùbá-Freund hörte es als "Aláìkí" (wörtlich: einer, der nicht grüßt) heraus und  interpretierte es als "einen, der sich nicht assoziiert", was auch eine gute Beschreibung für Eshus Rolle ist. Also, wer hat Recht? Wir können es nicht sagen. Das Lukumí-Wörterbuch beschreibt "Layikí (Echú)" als "der, von dem niemand weiß, wie er beginnt oder endet".

Andere Ausdrücke, wie das Gebet "Ñakiña, ñakiña loro, vara lláguese, lláguese loro" oder "Ñaqui nana qui yaloro, varayawece yawece loro" können, glaube ich, kaum noch interpretiert werden, außer man findet einige Yorùbá-Informanten, die es entziffern können. Es hängt stark vom rituellen Wissen der Yoruba-Informanten ab, wenn es um das Neuübersetzen geht. Es ist bekannt, dass die Kubaner Wörter aus Oyo-Dialekten verwenden. Die Lukumí nennen den Kopf "lerí"", wohingegen in Oyo "orí" eher "Eri" genannt wird, oder sprechen vom Bohnenkuchen (als Gericht für den Orisha) nicht als "moin-moin", sondern "olelé". Ein Yorùbá-Informant aus Lagos, der keine Oyo-Dialekte kennt, wird vielleicht einfach sagen, "Eri" ist falsch oder er kennt "olelé" nicht.
Lieder und Gesänge sind voll von poetischen Ausdrücke, Lobpreis-Namen, Verweisen auf Mythen und Qualitäten des Orisha, bevorzugte Gaben oder Handlungen, die nur Insider verstehen können. Olorishas und Babalawos in Nigeria erklärten mir immer wieder das "tiefe" oder "alte" Yorùbá, das beim Rezitieren von Gebeten verwendet wird. Es ist Poesie, voll von künstlerischen Ausdrucksformen und einem Vokabular, das man nicht im täglichen zeitgenössischen Gespräch benutzen könnte. Einige Lukumí-Ausdrücke könnten eine Interpretation durch die Umstände ihrer Verwendung finden. Während z.B. ein Informant mein Lukumí "Echú otá oricha" als Yorùbá "Èṣù ọ̀tá Òrìṣà" übersetzt (wörtlich: Eshu, der Feind der Orisha), erklärt es mir ein weiterer (versierterer Olorisha) als "Èṣù ọta Òrìṣà" (wörtlich: Eshu, der Grundstein der Orisha). Eshus Einzelstellung könnte es erlauben, ihn in einem poetischen Ausdruck als Feind zu nennen, vielleicht in Bezug auf eine besondere Geschichte, wo er wie ein Feind von jemandem wirkt. Sicher ist er ein Eckpfeiler, da er alle Opfer übernimmt und er wird vor den Siedlungen in Nigeria als Stein dargestellt. Aber was für ein Unterschied in der Interpretation, wenn man nicht die genauen Töne der Vokale und die Umstände der Verwendung dieser Schilderung kennt!

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Andere Einflüsse

Eine Sprache ist nie statisch. Viele Menschen, auch die Yorùbá in Nigeria, sind überrascht, wenn sie hören, dass "àláfíà" - ein sehr weit verbreitetes Wort auch in der Diaspora - ursprünglich ein arabisches Wort ist und "Frieden" bedeutet - neben vielen anderen arabischen Wörtern. Das heutige Yorùbá-Wort für "Kerze" ist in Nigeria "àbẹ́la" und hat portugiesische Wurzeln ("vela"), da Kerzen durch den Kolonialhandel eingeführt wurden. Interessant, dass die Lukumí in Kuba Kerzen "ataná" nennen, was ein ursprünglicher Yorùbá-Ausdruck ist und soviel wie "Dinge in Brand setzen" bedeutet.

Ich war überrascht, als ich Olorishas in Nigeria einige Lukumí-Gebete erzählte und den Begriff "tí mbẹ l’ẹsẹ̀ Olódùmarè" erwähnte, was bedeutet "der zu den Füßen von Gott sitzt/wohnt". Sofort sagten sie mir alle "das ist Yorùbá der christlichen Kirche, nicht Yorùbá für Orisha". Und tatsächlich ist es ein Bild, das in der europäischen Kultur bekannt ist. "A los pies de dios" auf Spanisch bezieht sich mehr auf ein barockes Ölgemälde von Jesus Christus als auf die Yorùbá-Idee von Olódùmarè. Der Nigerianische Olorisha bezeichnete sofort diesen Satz aus einem Lukumí-Gebet für die Vorfahren als nicht heimisch in ihrer Tradition. Das heißt, dass die Yorùbá-Sklaven in Kuba auch katholische Ausdrücke und Ideen in ihre Muttersprache aufgenommen haben, was eine sehr interessante Tatsache ist, denke ich. Yorùbá muss für einige Generationen eine lingua franca (Mischsprache) in Kuba gewesen sein und die Menschen haben auch Ausdrücke aus der spanischen Sprache angenommen. Wir wissen, dass die Santeria viel von der europäischen Bildsprache angenommen hat, aber es war mir neu, dass auch die Sprache auf diese Weise beeinflusst wurde.

Das erinnert mich an eine Reise nach Havanna. Ich war auf den Straßen zu Fuß unterwegs, ein Mann kam mit seinem Fahrrad an seinem Freund vorbei und rief ihm "Salam Alaykum" zu, der Freund antwortete "Alaykum Salam". Zuerst dachte ich, ich könnte zwei Menschen der offensichtlich sehr kleinen muslimischen kubanischen Gemeinschaft erlebt haben. Später wurde mir gesagt, dass dies ein "Afrikanischer Gruß" wäre, wie ihn Abakua oder Paleros verwenden und heute habe ich es auf Facebook "Nsala Maleko" geschrieben gesehen, in einer Art "Kongo- oder "Bantu-Stil"-Schreibweise eines ehemals arabisch-muslimischen Grußes. Viele Sklaven, die in die Kolonien verkauft wurden, waren tatsächlich Muslime, wie auch früher die Yorùbá Hausa-Sklaven hatten, deren Rebellion einst sogar das Reich Oyo zu Fall gebracht hatte. Heute ist es in Kuba der Code für die Begrüßung anderer Eingeweihter des gleichen Glaubens, hat aber nichts mehr mit dem Islam zu tun.

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Wir müssen uns der Tatsache bewusst sein, dass unsere kulturellen Traditionen in einem ständigen Wandel sind und ich verweigere energisch alle konservativen Versuche, an Traditionen zu kleben, nur weil "es immer so gewesen ist" - da wir wissen, dass es nicht so ist. Das Leben verändert sich wie ein fließender Fluss. Schließlich verstehen die Orisha, was ihre Anhänger ihnen sagen, egal welche Sprache Sie verwenden. Ich glaube, man muss nicht in der Lage sein, perfekt Yorùbá zu sprechen oder alle Lukumí-Ausdrücke zu kennen und Gebete, wie sie ein Babalawo vortragen könnte. Aber es kann einen tiefen Einblick in die Kultur und ihre Werte geben.

Ein letztes Beispiel dafür wäre die "limpieza", das populäre kubanische Reinigungsritual, genannt "sarayeye". Die Lukumí singen "sarayeye, bakunlo usw.". Als ich einen Kubaner nach der Bedeutung fragte,  wurde mir gesagt, dies bedeute, "den Körper zu waschen (Yor. ara), so dass es keinen Tod gibt (Yor. ikú)". Zu Besuch in Nigeria hörte ich genau das gleiche Lied in einem Ritual und mir wurde erklärt, dass dies wirklich für den Körper gesungen wird - aber auf den Körper des Vogels bezogen! Sodass seine Federn sprießen (Yor. iyẹ́) -  glatt (um die schlechten Einflüsse wegzunehmen) - und "ba ikú n lọ" begleitet den Tod, wenn er weggeht. Für solche Momente lohnt es sich, Yorùbá zu studieren.

Deshalb: Lerne, um die Verbindungen zwischen den Orisha und der Menschheit zu stärken, übersetze, übernimm und erfreue dich an der Schönheit und Geschichte der kulturellen Traditionen der Yorùbá oder Lukumí und sei ein aktiver Teil davon! Ire ooo!

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