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Unsere Vorfahren - die Eggún ...


Abhängig von der Kultur und der Definition kann das Wort „Vorfahre“ viele Bedeutungen haben. Im Allgemeinen versteht man unter Ahnenverehrung das Aufrechterhalten einer beständigen Beziehung zu denjenigen, die vor uns gelebt haben. Die Verehrung der Ahnen ist einer der Pfeiler der afrobasierenden Religionen. Ahnenverehrung und Arbeit mit Geistern ist die Basis jeglicher afrikanischen Spiritualität und auch der Santería. Jeder Santero ist gleichzeitig ein Spiritist, umgekehrt muss jedoch ein Spiritist keinesfalls ein Santero sein.
Innerhalb der Santería ist der Spritismus, der von Kardecs Ideen beeinflusst wurde, zu einem unabdingbaren Bestandteil geworden, da er den Verlust einer alten Tradition ersetzt hat. Die philosophischen Aspekte von Kardec werden allerdings fast vollständig außer acht gelassen, wichtig sind im eigentlichen die Besessenheit bzw. die Trancezustände der Medien.

Das Ziel der Ahnenverehrung ist es, mit dem Wissen, der Weisheit und der Kraft unserer verstorbenen Blutsverwandten Kontakt aufzunehmen. Die Energie und Weisheit unserer Blutsverwandten ist auf einzigartige Weise mit uns verbunden und für uns verfügbar. Nicht nur unsere Gene sind das Bindeglied zu unserer Vergangenheit, sondern auch die Energie und Kraft, die denen von uns zur Verfügung steht, die den Zugang zu den Ahnen kennen und praktizieren. Ahnenverehrung ist unsere Verbindung zur Vergangenheit und der Wegweiser in eine bessere Zukunft. Sie ist ein kraftvolles Mittel, um deutlich wahrnehmbare positive Veränderungen in unserem Leben in Gang zu setzen. Sie erfordert keine Initiation, keinen Wechsel der Konfession und keinen Kostenaufwand.

Das Konzept der Ahnenverehrung ist keine Hexerei im negativen Sinn, wie viele glauben. Aspiranten und Initiierte in Ifá bzw. Regla de Ocha sind sehr stolz auf diese Form der afrikanischen Kultur. Der Ahnen- und Geisterverehrung liegt eine viel tiefere und schönere Bedeutung zugrunde, als man uns glauben machen will. Leider wird die Ahnenverehrung aber trotzdem von Millionen Menschen missverstanden, weil viele Informationen und historische Überlieferungen missinterpretiert, versteckt, verloren oder vergessen wurden. Es gibt auch jene, die mit der Vision vertraut sind, aber ihre große Bedeutung nicht ernst nehmen. Ich bin überzeugt, dass viele Probleme, mit denen unsere Gesellschaft heutzutage zu kämpfen hat, wie psychische Krankheiten, zerrüttete Familien, verbale und physische Gewalt, Drogensucht, Alkoholismus, Selbstmord und andere Formen selbstzerstörerischen Verhaltens auf Geister oder Ahnen zurückzuführen sind, die nach dem Tod nicht die notwendige Zuwendung erhalten haben oder deren Seele aus irgendeinem Grund nicht zur Ruhe kommt. Und weil sie nicht zur Ruhe kommen können, bereiten sie uns Probleme.

Millionen von Menschen werden heutzutage in Kongregationen großgezogen, die mit von Menschen geschaffenen Doktrinen durchsetzt sind. Manche von ihnen finden im Laufe ihres Lebens heraus, dass ihre Seele sich nach etwas anderem sehnt. Dies geschieht, weil die Traditionen der Ahnen in unserem Blut weiterleben, weil sie in unsere DNS encodiert sind, weil sie Teil unserer Seele sind. Das Konzept Kirche hat sich aus Traditionen entwickelt, nach denen wir uns auch heute noch, bewusst oder unbewusst, sehnen. Die Sklaven haben ihre Kirchen aus Versammlungen entwickelt, die entweder in der Abgeschiedenheit des Waldes stattfanden, oder unter dem Deckmantel einer christlichen Messe, damit sie ihre Tradition in Sicherheit leben konnten. Während dieser Treffen wurden Lieder mit verschlüsselten Nachrichten geschaffen, man ehrte die Ahnen und empfing Nachrichten der Geister, indem man Predigten hielt, Handauflegen praktizierte und Besessenheit durch Schreien und Tanzen erlebte. Viele sehen solche Vorkommnisse heute als Manifestationen des heiligen Geistes. Trotz der Freiheit, die der technische Fortschritt unserer Gesellschaft ermöglicht hat, fühlst du dich unglücklich, unzufrieden, nicht ausgefüllt. Viele glauben eine Zeitlang, dass sie diesem Gefühl entkommen könnten, indem sie Alkohol oder Drogen missbrauchen, oder indem sie Reichtum erlangen, Sex, Macht, Ehe, Familie oder Liebe. Aber irgendwann erkennst du, dass du in einer perversen Gesellschaft lebst, die durchsetzt ist mit Sexbesessenheit, Hunger, Krankheit und Kriminalität. Familienstrukturen zerbrechen, Gemeinschaften zerbrechen – ja sogar die Erde zerbricht. Obwohl du von Menschen umgeben bist, fühlst du dich verloren, verwirrt und einsam. Du streckst deine Arme aus, und doch siehst und fühlst du nichts. Du suchst nach Antworten und Lösungen, findest aber wiederum nichts. Niemand kann dir helfen, und du versuchst alles, was in deiner Macht steht zu tun, aber noch immer ist die Leere da. Etwas ruft nach deinem Geist, damit du Erfüllung finden kannst. Um diesem inneren Bedürfnis nach Spiritualität gerecht zu werden, beschäftigen sich viele Menschen mit diversen Religionen aus allen Teilen der Welt. Viele verstehen nicht, dass das Gefühl der Leere direkt von ihrer Seele ausgeht, die sich nach ihrer Heimat sehnt. Die Heimat kann der Seele den Frieden geben, nach dem sie verlangt. Mit Hilfe der Ahnen kann man diesen Frieden finden.

Die Verbindung zwischen Eltern und Kind manifestiert sich als ein Glied in einer langen Kette von Ahnen-Karma. Deine Verbindung zu deiner Familie erlaubt dir, in einer bestimmten Linie geboren zu werden – und diese Verbindung muss verstanden und respektiert werden. In unserem technozentrischen Zeitalter fällt es Menschen sehr schwer zu akzeptieren, dass sie ihren Ahnen gegenüber verantwortlich sind, ja dass sie sogar für Handlungen ihrer Ahnen verantwortlich sind, so lange das Karma, das sich daraus ergeben hat, nicht gelöst wurde. Viele halten die Idee, dass die Handlungen eines vielleicht sogar unbekannten Ahnen etwas damit zu tun haben könnten, was ihnen heute widerfährt, für absurd. Wenn ich das Karma einer Person untersuche, finde ich aber immer wieder Probleme, die sich über Generationen zurückerstrecken. Der Geist ist nicht nur ein individuelles Wesen, er ist auch Teil des Familiengeistes, der ihn hervorbringt und nährt.

Shintopriester Dr. Hiroshi Motoyama („Karma and Reinkarnation“)

Sogar in der Bibel heißt es, dass wir Kinder für die Sünden unserer Vorväter bis in die vierte Generation büssen müssen. Dies zeigt, wie sehr die Ahnen ein integraler Teil unseres Lebens sind, und wie wichtig es ist, dass wir Harmonie mit ihnen herstellen. Die Ahnenverehrung ist ein wichtiger Bestandteil von vielen Glaubenssystemen auf der ganzen Welt.

Unsere Vorfahren haben an ein Leben nach dem Tod geglaubt. Sie waren überzeugt, dass das Leben nach dem Tod weitergeht, in einer anderen Welt. Von der afrikanischen Perspektive aus gesehen, erfüllt die Ahnenverehrung eine Reihe von Zwecken. Viele afrikanische Völker glauben, dass die Verstorbenen nicht nur ein ordentliches Begräbnis bekommen sollen, sondern auch, dass sie von allen bösen Taten befreit werden müssen. Um dies zu bewerkstelligen, kommen alle Freunde und Verwandten am Grab zusammen. Dort werden dann die „Missetaten“ aufgezählt und vergeben. Handelt es sich um eine finanzielle Schuld, bietet ein Verwandter an, diese zu begleichen.

Dieses Ritual soll einen reibungslosen Übergang vom Land der Lebenden ins Reich der Toten ermöglichen. Ist der Tote völlig rein und von Sünde befreit, hat der Verstorbene (Geist) keinen Grund zu verweilen, zu spuken und Chaos zu verursachen. Im Gegenteil – der Geist ist dann frei, in einen höheren Zustand aufzusteigen, übernatürliche Tugenden zu erlangen, die dann wiederum der Familie und der Gemeinschaft zu Gute kommen, zum Beispiel wenn der Geist spirituelle Besuche abstattet, um seinen Segen zu geben, Schutz, ein langes Leben, Reichtum, gute Ernte, Fruchtbarkeit, oder was immer man sich wünscht, wofür man gebetet hat, und worum man gebeten hat. Tod ist nicht nur zu betrauern, sondern er ist auch eine Zeit zur Feier des Geistes, des ewigen Lebens, eine festliche Zeit des Trommelns, Singens, Tanzens, Trinkens und Essens – all das, um die Toten zu ehren. Denn wenn man die Ahnen ehrt, ehrt man seine eigene Abstammung, seine Kultur und seine Wurzeln. Daher werden die Ahnen bis zum heutigen Tag konsultiert und um Rat gebeten, angebetet, durch Opfer geehrt, auf dass sie den Lebenden weiterhin bei der Bewältigung ihrer Probleme beistehen.

Jedes menschliche Wesen hat Vorfahren, und unabhängig davon, wo wir herkommen, haben wir alle eine Beziehung zum Tod. Das verbindet uns, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Daher und aus einigen anderen Gründen wollen viele Menschen mit Geistern in Verbindung treten. Diese Verbindung beweist uns, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, was jenen ein Trost ist, die ihre Lieben vermissen.

Die Ahnen sind ein wichtiger Teil von uns selbst, da sie unsere Wurzeln bilden – ohne sie wären wir heute nicht hier. Aus diesem Grund schenken wir unseren Ahnen hohe Aufmerksamkeit und erweisen ihnen Respekt. Mit „Ahnen“ sind nicht nur die nächsten Verwandten gemeint, sondern alles, was mit uns verwandt ist, von der elementaren bis zur kosmischen Ebene. Wenn wir unseren Ahnen keinen Respekt erweisen würden, würde das bedeuten, dass wir uns selbst nicht respektieren. Wir sind ein Teil des Ganzen.

Wir glauben, dass nach dem Verfall des Körpers die Seele in das Reich der Geister gehen kann und unsere Vorfahren als Geist oder Schutzgeist weiter für uns zur Verfügung stehen.
Der Tod ist das unvermeidliche Ende allen menschlichen Lebens, aber das Leben ist nicht zu Ende. Die Seele lebt weiter, nur in einer anderen Form (Geist) und in einer anderen Welt (Ebene). Viele Zeremonien, Gebete und Opfer, aber auch Aufmerksamkeit und angemessene Anerkennung tragen dazu bei, dass die Verstorbenen zufrieden sind und beruhigt einen einfachen Übergang vom Land der Lebenden in das Land der Toten haben. Anderenfalls kann der Geist der toten Person ohne Frieden die Welt durchstreifen, verloren umherirren mit der Fähigkeit, den Menschen zu schaden.

Götterglaube und Ahnenverehrung bilden eine untrennbare Einheit. In der Santeria sind die Vorfahren, die Toten (ikús) oder Geister (eguns), die uns umgeben, so wichtig und heilig wie die Orishas und verdienen den gleichen Respekt. Das heißt, man ehrt die Ahnen und wendet sich mit Problemen und Gebeten zunächst an sie, bevor man den Orishas eine Bitte vorbringt. Die Rituale der Ahnenverehrung können tiefgreifende, nachvollziehbare Veränderungen in unserem Alltag mit sich bringen.

In jeder religiösen Handlung und in jeder Handlung unseres Lebens ist die Ehrung der Egun – Geister das erste, was man machen muss, um von ihnen den Segen zu erhalten. Die Egun sind wichtig in der Religion, ohne sie kann nichts durchgeführt werden. Sie werden sogar vor Eleggua bedient und bekommen vor ihm zu essen.
Das wichtigste Prinzip ist „Icú lobi ocha“, das bedeutet „der Tod gebar den Heiligen“. Diese Phrase drückt die Notwendigkeit aus, den Eguns immer mit Ehrfurcht zu begegnen.
 
Viele Menschen ehren ihre Ahnen, ohne damit ein emotionales Problem zu haben, aber manche finden es schwierig, Vorfahren zu ehren, die in irgendeiner Form gewalttätig waren – sei es körperlich, sexuell, emotional oder verbal. In vielen Fällen ist es auch verständlich, dass es schwierig ist, einem Menschen Ehrerbietung zu erweisen, der einen selbst, oder jemanden, der einem nahe steht, verletzt hat. Es ist aber wichtig, dass man versucht zu vergeben. Ich weiß, dass es leichter ist, davon zu sprechen, als es zu tun, aber indem wir vergeben, heilen wir uns letztlich selbst. Ifá sagt, dass man blockiert und unerfüllt bleibt, solange man die negative Energie nicht auflöst.

Sehr oft wünschen sich Ahnen, die zu Lebzeiten viel falsch gemacht haben, Licht und Gebete von dir. Sie wünschen sich Vergebung, und sie möchten dir helfen, weil sie ihre Fehler wieder gut machen wollen, jetzt, wo sie sie verstehen.

Wenn du für einen Ahnen beten möchtest, der dir oder deinen Lieben wehgetan hat, sag ein kurzes Gebet, in dem du erklärst, dass du ihm vergeben hast, und du für ihn betest, damit er in höhere Sphären eingeht und Licht, Frieden und Gottes Liebe findet, die er braucht, damit er dir und deiner Familie Frieden bringen kann.
Es ist wichtig, für spirituelle Heilung zu beten, für die Verstorbenen, für uns selbst und für kommende Generationen, damit so viele schädliche Muster wie möglich ausgelöscht werden, damit sie uns nicht mehr länger quälen. Außerdem sollte man für die karmische Energie der Familie beten, damit sie gereinigt wird.
Durch Ahnenverehrung, Gebete und Rituale können wir dazu beitragen, unsere Ahnen zu heben, die dann wiederum uns ein besseres Leben ermöglichen.