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Ajogun

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Das Wort Ajogun ist ein gemeinsamer Name für alle übernatürlichen, schädlichen oder böswilligen Mächte, die die Menschen angreifen.

Ajogún bedeutet wörtlich: "Krieger", nicht zu verwechseln mit den Guerreros (Ibora). In der Santeria besteht eine Dualität zwischen den guten, schöpferischen Kräften - den Orishas, die den Menschen wohlwollend gegenüberstehen und den schlechten, destruktiven Kräften der Ajoguns, die boshaft und unverbesserlich sind.

Man sagt, es gäbe 400 + 1 „gute“ übernatürliche Mächte - die Orishas "auf der rechten Seite" - und 200 + 1 „böse“ übernatürliche Mächte - die Ajogun "auf der linken Seite". [1]
Rechts und links bedeutet hier positiv und negativ.
„Ohne das Schlechte gibt es das Gute nicht", lautet sinngemäß ein Sprichwort im Odù Okana-Soddé des Diloggun.
Olofin hat bestimmt, dass die menschliche Natur immer mit den Ajogun konfrontiert und im ständigen Kampf um Weiterentwicklung und Reinigung sein müsse. Die Ajogun sind eine Tatsache unseres Lebens, die sowohl akzeptiert als auch vermieden werden sollte. Für die Yòrùbá sind die Ajogun die offenkundigen Widersacher der Orìsha, der Vorfahren und der Menschen. Sie bewirken sämtliche Schmerzen, Traurigkeiten, Leiden und Tod. Grundsätzlich sind Ajogun das, was der Mensch als „Pech“ bezeichnen würde. Die Ajogun sind Kräfte, Mächte, Energien der Natur, d. h. sie haben und hatten kein irdisches Leben. [2]
Ihre Macht kann in vielen verschiedenen Formen auftreten. Gemäß Ifá-Texten konkurrieren zwei Pantheons von übernatürlichen Mächten um die Überlegenheit im Universum. In der Weltsicht der Yoruba ist das Universum ist in zwei Hälften geteilt:

Ajogun-Tabelle
Ajogun - Boshafte Wesen Ìbo - Wohltätige Wesen
Krieger gegen die Menschen Gute schöpferische Kräfte
200 +1 oder sehr viele, unzählige 400 +1 oder sehr viele, unzählige,

jedenfalls doppelt so viele wie die Ajogun
Meist wird von acht Ajogun gesprochen: Orishas und sonstige Gottheiten:
Ikú Tod, König der Ajogun (eig. die Königin, denn Ikú ist weiblich) Ajala erschafft Ori
Àrùn Krankheit, Depression, Traurigkeit, Weinen, Leid Orunmila Ifá Divination
Òfò Verlust, Störung, Schande, Armut, Wehklagen, Verleumdung, Misere Obatalá
Ègbà Lähmung, Faulheit, Untätigkeit, Einsamkeit Ogún
Òràn schwere Probleme Ochosi
Èpè Fluch, Ungerechtigkeit, Unheil, Verwünschung, Hass, Negativität Oshún
Èwòn Gefangenschaft Changó
Èse alle anderen menschlichen Leiden, Schmerzen und Beschwerden Oyá


Babalù Ayé


Yemaya



und alle übrigen der 400 +1 Orisha


Egun Ahnen


Orí innerer Kopf, persönliche Gottheit


Èniyàn Das Yoruba-Konzept einer Person. Dies meint Menschen, die auserwählt wurden, Gutes zu tun.


die Natur Tiere, Vögel, Bäume, Berge, Flüsse, Meere usw. [3]
Übernatürliche Kräfte, die zwischen beiden Seiten hin und her wechseln: [4]
Àjé
Elegguá

Eine gute Definition für Àjé ist die Welt, in der alle empfindungsfähigen Wesen wohnen. Àjé ist ein Yoruba-Wort für eine geistige Macht riesengroßen Potenzials, ebenso wie für die Menschen, die diese Macht ausüben. Àjé wird als eine Macht betrachtet, die einige Menschen durch das Erbe, durch Initiation oder von Geburt an haben. Obwohl sowohl Männer als auch Frauen Àjé haben können, sind seine Eigentümerinnen und Kontrolleurinnen Frauen, die kosmischen Mütter, die als die Götter der Gesellschaft verehrt werden.

Wegen seiner Vereinigung mit der weiblichen Macht, seiner Unsichtbarkeit und Tiefe, wird Àjé häufig unpassend als Hexe beschrieben. Es wird als ein Übermaß an Aché betrachtet und muss deshalb unter Kontrolle und im Gleichgewicht gehalten werden, um Schaden für den Besitzer von Àjé selbst und die Gemeinschaft zu vermeiden. Àjé unterstützt die Konzepte der Entwicklung und Kreativität und gilt als eine Kraft der Justiz und Vergeltung, es ist für die soziale Harmonie und das Gleichgewicht notwendig.
Da Afrikaner ins Exil und in die Versklavung gezwungen wurden, nahmen sie Àjé mit und setzten dessen Arbeit von Erschaffung, Zerstörung, Schädigung und Heilung in der Neuen Welt fort. [5]

Die Kräfte von Àjé wechseln die Seiten zwischen Gut und Böse, aber anders als Elegguá sind sie nicht neutral. Sie sind die Verbündeten der Ajogun auf der negativen Seite. Elegguá ist einer der mächtigsten Orisha. Der Platz von Elegguá ist einzigartig, weil er sowohl ein Orisha als auch der Führer des Ajogun ist, er ist weder gut noch schlecht. Die Ajogun stehen Eshú als eine Armee von Widersachern zur Verfügung, um allzu selbstsichere und überhebliche Menschen auszubremsen, ihren Weg zu blockieren, sie zum Anhalten oder gar zum Scheitern zu bringen. Er ist dazu fähig, seine Form nach Wunsch zu verändern, zwischen den Seiten hin und her zu wechseln und handelt als unparteiischer Richter, der zwischen den zwei Parteien vermittelt. Für seine konstruktiven Aktivitäten verwendet er Opfer, die von den Menschen angeboten werden, die sonst Opfer der boshaften Kräfte würden. Nachdem er seinen eigenen kleinen Teil einbehalten hat, bringt er das Opfer zu den Ajogun. Der Effekt ist üblicherweise die Rückkehr des Friedens und die Versöhnung zwischen den streitenden Parteien. [6] Durch das Angebot von Opfern sind die Menschen imstande, Konflikte im Universum aufzulösen.

Es ist unsere Wahl, entweder die Tür zu den Ajogun zu öffnen oder den Zugang zu Ihrer Energie zu schließen. Es ist uns möglich, eine Barriere zwischen uns und den Ajogun aufzustellen, um ihren Zugang zu unserem Leben zu minimieren. In jedem Moment haben wir eine Wahl darüber. Von den Anhängern der Santeria müssen sowohl die Orisha als auch die Ajogun versöhnlich gestimmt werden. Die Ajogun dafür, dass sie einen in Ruhe lassen und die Orisha, damit sie einen unterstützen. Tatsächlich werden aber nur die Orisha versöhnlich gestimmt. Denn mit deren Aché können die Ajogun bezwungen werden. Dies gelingt mit Hilfe von Ebbos und Adimus, die in Konsultationen ermittelt werden. Ajogun kann von selbst geschehen, oder es kann von uns selbst oder von anderen Menschen veranlasst werden.

Santeras, Santeros und Babalawos helfen den Menschen, negative Kräfte zu überwinden, die ihre Gesundheit oder ihr Wohlergehen gefährden. Sie stellen die Verbindung zwischen dem Schöpfer, den Geistern und ihrer Manifestation in der Natur her. Die Santeria lehrt die Wichtigkeit der Demut im eigenen Leben und die Fähigkeit, Respekt zu haben gegenüber Olodumare, den Älteren, den Ehegatten, Bekanntschaften und sich selbst. Das bedeutet, Unterstützung zu geben, damit Heilung in die Welt kommt und nicht Schmerz, denn die Welt hat genug Schmerz und braucht Reinigung von den Leiden. Glocken und Rasseln werden benutzt, um die Orisha und Eggun zu rufen und die Ajogun zu vertreiben.

In einer Konsulation warnen uns die Orisha durch ein Osorbo vor dem, was passieren kann und worauf wir besonders acht geben sollten. Unsere Aufmerksamkeit ist dann verstärkt darauf gerichtet, das Böse, Destruktive und für uns Schlechte zu vermeiden. Indem wir manchmal dem Schlechten unterworfen sind, haben wir die Möglichkeit, zu wachsen und zu reifen.

Ein Ewó-Tabu oder Verbot hat die Funktion, die Tür zu den Ajogun (dem Osorbo) zu öffnen und so die Rivalen des Guten (Ire) unschädlich zu machen. Diese Tabus und Verbote können für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder wenn es in einem Itá ausgesprochen wird auch lebenslang notwendig sein um zu korrigieren und um lebensbedrohliche Situationen und Krankheiten zu vermeiden. Ein in Aussicht gestelltes Ire kann sich manchmal nicht manifestieren, wenn es nicht möglich ist, die vorgeschriebenen Tabus und Verbote einzuhalten und man somit den Ajogun weiterhin Nahrung und Nährboden gibt. Manchmal sind die Verbote mit den Grenzen der Person verbunden. Wenn ein Ewó oder Verbot festgelegt und die Person gewarnt wird, ist sie frei, dieses Ewó zu erfüllen oder es zu ignorieren. Das bedeutet, dass die Person frei ist zu kämpfen, um der Versuchung nicht nachzugeben und zu tun, was sie jetzt weiß. Ebenso ist sie frei, dieser Versuchung nachzugeben und nicht zu tun, was sie jetzt weiß. Das Brechen von Ewó kann weitreichende Auswirkungen im Leben haben und die Tür zu allen Arten von Katastrophen im Leben öffnen. Dies betrifft sowohl Aleyos als auch Priester. Diese Tabus können nicht nur der Verzicht auf gewisse Lebensmittel sein, sondern auch das Vermeiden bestimmter Plätze, Personen oder Dinge. Es kann auch einfach das Verlieren der Geduld oder das ungünstige Reagieren auf bestimmte Verhaltensweisen sein, was die Santera, der Santera oder Babalawo durch das Orakel zu verändern empfiehlt. Es kann auch ein dezenter Hinweis sein, dass man den Älteren, Lehrern oder Ranghöheren in unserer Tradition zu wenig Respekt zollt.

Ein Tabu zu brechen, wäre vergleichbar damit, sich einem Grippevirus auszusetzen, ohne die nötigen Vorsichtsmaßnahmen wie gesunde Ernährung, ausreichend Pausen und persönliche Hygiene zu treffen. Viren sind überall um uns herum und wir müssen uns vorsehen, nicht von ihnen infiziert zu werden. Manche, wenn nicht alle, Ajogun sind zu jeder Zeit um jeden von uns herum. Es ist eine Tatsache, dass unser Orí, die Ahnen und die Orisha uns bis zu einem gewissen Grad schützen werden (vergleichbar mit dem oben erwähnten Lebensstil), aber die nötigen Vorsichtsmaßnahmen müssen wir selbst treffen. Es würde auch wenig Sinn machen, wissentlich etwas Giftiges zu sich zu nehmen und arrogant zu verkünden, dass man ohnehin unter Schutz steht.

Das Erreichen von Erfolg, Glück und Gesundheit ist völlig davon abhängig, wie viele Tabus man imstande ist anzuerkennen und ob es möglich ist, Verbotenes zu vermeiden. Wir haben die Fähigkeit, mit unseren Gottheiten zu kommunizieren und unsere eigenen Tabus herauszufinden. Einen Weg zu kennen und ihn zu gehen, sind allerdings zwei verschiedene Dinge. Das eigene Leben zu erforschen, die Aussagen aus den Odus (Zeichen) zu lernen und zu meistern, ausführliche Selbstanalyse zu betreiben und die Botschaften der Orisha in die täglichen Routinen und Gewohnheiten zu integrieren, schafft Weiterentwicklung und Zufriedenheit. Diese Unterstützung ist erkennbar und spürbar und plötzlich ist es möglich, im Einklang mit dem eigenen Schicksal zu leben.


[1] Abimbola, Kola (2006). Yoruba Culture: A Philosophical Account
[2] Cosmovision del Batuke, Sangodare Akambi Robert D. Prado
[3] Yoruba Religion and Culture, Dr. Ògúnwáňdé Abímbólá
[4] Encyclopedia of Diasporas: Immigrant and Refugee Cultures Around the World, herausgegeben von Melvin Ember, Carol R. Ember, Ian Skoggard S 322
[5] Our Mothers, Our Powers, Our Texts: Manifestations of Àjé in African Literature (Blacks in the Diaspora), Washington
[6] African Intellectual Heritage: A Book of Sources (African American Studies) - Molefi K. Asante; S 99

Gebet für das Gleichgewicht (Yoruba)

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